Riesig, mächtig, imposant – das sind wohl die Gedanken, die den meisten Menschen in den Sinn kommen, wenn sie vor einer Skulptur von Bernar Venet stehen.

Ein Leben für die Kunst

Bernar Venet bezeichnet sich selbst als Kunstbesessenen. Seine Liebe zur Kunst zeigt sich auch in seinem Lebenslauf: Bernar Venet wurde in Château-Arnoux geboren. Als Kind litt er an Asthma, deshalb konnte er nicht wie andere Kinder herumlaufen.

Doch dank eines lokalen Künstlers fand er schnell einen Ausgleich: die Kunst. Seit seinem zehnten Lebensjahr beschäftigte er sich intensiv mit dem Zeichnen und Malen. Mit nur elf Jahren entwirft er ein Gemälde für den Pariser Malsalon Péchiney. Nach dem Schulabschluss studierte Venet an der Städtischen Hochschule für Bildende Künste in Nizza. Danach arbeitete er als Bühnenbildner für die Oper in Nizza. In dieser Zeit malte Venet stark stilisierte Bilder, beeinflusst von Künstlern wie Paul Klee. Er trat in die französische Armee ein und leistete seinen Militärdienst. Während dieser Zeit war er auch künstlerisch aktiv und experimentierte mit verschiedenen Kunstformen. Er widmete sich u.a. der Fotografie. Er kehrte nach Nizza zurück und eröffnete ein Studio. Dort machte er Detailaufnahmen von Schotter, Kohle und Asphalt. Le Tas de Charbon ist seine erste Skulptur ohne besondere Form, ein wichtiger Schritt in der Entwicklung seiner künstlerischen Arbeit. Es folgten zahlreiche internationale Ausstellungen: Er nahm am Salon Comparaison im Musée d’Art Moderne in Paris teil, vertrat Frankreich auf der Biennale in São Paolo und wurde zur Documenta 6 in Kassel eingeladen.

Die Hypothese des Winkels

Während die Linie, und insbesondere die unbestimmte Linie, Raum einnimmt, akzentuiert die gerade Linie diesen in ihrer Laufrichtung. Der Winkel aber akzentuiert sie, zerschneidet sie und nimmt sie auf fast herrische Weise in Besitz. Es ist genau diese Eigenschaft, die Bernar Venet so sehr an Winkeln fasziniert und mit der er in seinen Arbeiten auf unterschiedlichste Weise experimentiert.